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Andreas Leszkovsky (Neos): „Die Boccia-Bahn ist mein schönster Erfolg"

Andreas Leszkovsky Neos AWP
Andreas Leszkovsky ist Bezirksrat und Klubomann der Neos in Rurdolfsheim-Fünfhaus (Bild: Wabl)

Newsletter #7 vom 15. Juni 2026. Rubrik: Was macht die Bezirkspolitik? Serie: Politischer Spaziergang durch Rudolfsheim-Fünfhaus mit Vertreter:innen aller Bezirksparteien. Gast #5: Andreas Leszkovsky (Neos)

Von Stephan Wabl

Vom Auer-Welsbach-Park über das Westbahn-Areal bis zur Sechshauser Straße: Das sind die drei Orte, die sich Andreas Leszkovsky für unseren politischen Spaziergang durch den Bezirk ausgesucht hat. Leszkovsky ist Klubobmann der Neos in Rudolfsheim-Fünfhaus und hat sein ganzes Leben nahe des Auer-Welsbach-Parks gewohnt. Es regnet leicht als wir uns treffen, im Park sind nur ein paar Jogger:innen unterwegs und Leszkovksy beginnt unserem Spaziergang an einem kleinen Ort, der für ihn aber große Bedeutung hat.

Eine Boccia-Bahn als schönster Erfolg

Leszkovsky: „Hier ist die Boccia-Bahn im Auer-Welsbach-Park.  Die ist aufgrund eines Antrages von uns im Bezirksparlament erreichtet worden. Vor allem in der Corona-Zeit ist sie sehr viel genutzt worden. Vor einigen Jahren hatte ich ein Gespräch mit einem älteren Herrn im Park. Er meinte, dass es ihm Park viel Angebot für junge Menschen gibt: Spielplatz, Sportplatz, Basketballplatz. Aber nichts für ältere Menschen. Ich habe Boccia-Bahnen schon in Zürich und Frankreich gesehen. Da habe ich mir gedacht, das wäre auch was für den 15. Bezirk und habe einen Antrag gestellt. Es hat ein bisschen gedauert, aber am Ende ist die Bahn errichtet worden. Als einer der ersten in einem Park in Wien. Für mich persönlich ist das der schönste Erfolg meiner Arbeit als Bezirkspolitiker. Die Bahn ist tatsächlich auch das Projekt, auf das mich die meisten Menschen im Bezirk ansprechen. Das sind die Momente, in denen ich weiß, warum ich das mache.“

Andreas Leszkovsky Boccia Bahn
Die Boccia-Bahn im Auer-Welsbach-Park wurde nach einem Antrag der Neos errichtet (Bild: Wabl)

Rot-schwarz-pinke Bezirksmischung

Leszkovskys Großvater war Fuhrwerksunternehmer in Rudolfsheim-Fünfhaus. Für seine LKWs brauchte er einen Standplatz und hat ein Haus in der Nähe der Sechshauser Straße gekauft. Als Unternehmer hat er Mitte des 20. Jahrhunderts sogar eine Partei gegründet. „Allerdings nicht sehr erfolgreich“, sagt Leszkovsky. „Jetzt kann man sich fragen, ob ich das erfülle, was ihm nicht gelungen ist.“ Sein Vater war Sozialdemokrat, die Mutter christlich geprägt. „Bei dieser Mischung kommen dann die Neos raus.“ Seit 2015 ist der 57-Jährige im Bezirksparlament. 

„Menschen wollen gesehen werden“

Die Neos sind nach Stimmen die kleinste Fraktion in Rudolfsheim-Fünfhaus und haben drei Bezirksrät:innen. „Wir haben deshalb auch keine Mandatare in den Ausschüssen und Kommissionen. Wir können zwar teilnehmen und mitdiskutieren. Aber abstimmen dürfen wir nur in der großen Sitzung“, erzählt der Neos-Klubobmann. 

Ist das nicht frustrierend?

Leszkovsky: „Eine Bezirksvertretung ist ja eigentlich unter Anführungszeichen eine demokratisch legitimierte Verwaltungsbehörde. Die Kompetenzen in einer Bezirksvertretung sind begrenzt. Das merken wir auch, wenn wir Anträge stellen. Die gehen zwar oft durch und alle Fraktionen stimmen zu. Aber letztendlich fallen die Entscheidungen woanders wie zum Beispiel in den Magistraten oder auf der Stadtratsebene. Ich würde sagen, die bezirkspolitische Arbeit liegt zu einem großen Teil im informellen Bereich, in Gesprächen, im Zuhören, im Sehen und Gesehen-Werden. Menschen wollen gesehen werden und Menschen wollen, dass man ihnen zuhört. Dafür sind wir Bezirksrät:innen da.“

Andreas Leszkovsky Schwendermarkt
„Die Bezirkspolitik kann vor allem im Bereich Kunst und Kultur viel umsetzen", sagt der Neos-Politiker (Bild: Wabl)

Was bringt ihm die Regierungsbeteiligung der Neos?

Ich frage Leszkovsky, ob sich für ihn mit der Regierungsbeteiligung der Neos auf Stadtebene etwas geändert hat. Ist es für ihn jetzt leichter, im Rathaus anzurufen und zu sagen: Liebe Kolleg:innen, könnt ihr nicht das oder jenes für den Bezirk machen?

Leszkovsky: „Für mich ist es jetzt natürlich leichter, Informationen über Projekte der Stadt zu bekommen. Vor allem, wenn sie unseren Bezirk betreffen. Aber es ist nicht so, dass wir die Stadtpolitik groß beeinflußen können. Bei manchen Themen sind sich die Neos-Stadtpartei und die Neos-Bezirkspartei auch gar nicht einig. Wie zum Beispiel beim Westbahnpark.“

Andreas Leszkovsky Westbahn-Park
Die Neos auf Stadtebene sind gegen den Westbahnpark, die Neos auf Bezirksebene dafür (Bild: Wabl)

Neos für den Westbahnpark, Neos gegen den Westbahnpark

Wir verlassen den Auer-Welsbach-Park, spazieren über den Schwendermarkt und weiter über die Baustelle Äußere Mariahilfer Straße zur Schmelzbrücke, die den Bezirk in zwei Hälften teilt. Unter uns führen die Gleise der Westbahn. Am Ende der Brücke hängt am Zaun eine Fahne mit der Forderung „Westbahnpark jetzt!“. Das Areal hinter dem Westbahnhof ist eines der wichtigsten Stadtentwicklungsprojekte im Bezirk - und hart umkämpft. Die „Initiative Westbahnpark“ und die Grünen fordern ein reines Parkgebiet am Areal der ÖBB. SPÖ, ÖVP und FPÖ im Bezirk sind gegen diese Idee und befürworten das Projekt „Mitte 15“. Das Stadtentwicklungskonzept der Stadtregierung sieht vor, dass hier ab 2030 ein neues Gebiet aus Wohnungen, ÖBB-Gebäude und Park entstehen soll. 

Und die Neos?

Leszkovsky: „Ich bin für den Westbahnpark. Aber die Stadtpartei befürwortet das Projekt „Mitte 15“, das von der zuständigen SPÖ-Stadträtin Ulli Sima vorgestellt wurde. Ich habe auch schon mit Neos-Klubchefin Selma Arapović  im Rathaus über das Projekt geredet. Sie hat mir gesagt, dass die Neos im Rathaus das Projekt „Mitte 15“ unterstützen. Ich verstehe das. Trotzdem bin ich als Politiker in Rudolfsheim-Fünfhaus für den Westbahnpark. Aber so funktioniert Demokratie. Wir müssen nicht einer Meinung sein, jedoch respektvoll darüber reden können.“  

„Für Kunst und Kultur ist auf Bezirksebene viel möglich"

Beruflich ist der Neos-Politiker seit mehr als 35 Jahren im Sozialbereich tätig. „Ich habe alles mögliche gemacht. Mit Menschen mit Behinderungen gearbeitet oder mit Menschen mit psychischen Erkrankungen und  Tageseinrichtungen betreut. Seit einiger Zeit bin ich selbstständig und mache theaterpädagogische Projekte. Kunst und Kultur sind mir ein großes Anliegen. Das sind auch die Bereiche, die ich bei den Neos im Bezirk abdecke,“ sagt Leszkovsky. 

Kunst und Kultur seien auch zwei Bereiche, in denen die Bezirkspolitik ganz konkrete Dinge umsetzen kann.  

Leszkovsky: „Für Kunst und Kultur hat der Bezirk ein eigenes Budget, das recht groß ist. Damit kann man schon was machen. Die anderen Bereiche, in denen die Bezirkspolitik gestalten kann, sind Umwelt und Verkehr. Begrünungen, Sitzbänke oder die Errichtung einer Ampelanlage in der Nähe eines Kindergartens zum Beispiel.“

Bus57 A Sechshauserstraße
Der 57A vom Burgring bis zur Anschützgasse ist der Grund, warum es auf der Sechshauser Straße noch keine 30km/h-Zone gibt (Bild: Wabl)

Ein Bus als Problem in der 30km/h-Zone

Wir machen uns auf Richtung Sechshauser Straße. In diesem Grätzl ist Leszkovsky aufgewachsen und in die Schule gegangen, hier wohnt er noch heute. Und für die  Sechshauser Straße haben die Neos auch eine politische Forderung, die zeigt, wie kompliziert Bezirkspolitik sein kann. 

Leszkovsky: „Anrainer:innen haben uns immer wieder erzählt, dass der Verkehr auf der Sechshauser Straße sehr gefährlich ist. Ich wohne auch hier und kenne das Problem. Es gelten 50 km/h, gleichzeitig ist die Straße sehr eng und es gibt fünf Schulen im Umfeld. Wir haben dann in Absprache mit der KPÖ-Links im Bezirksparlament einen Antrag gestellt, dass auf der Sechshauser Straße eine 30 km/h-Zone kommen soll. Dem Antrag haben auch alle Parteien zugestimmt. Das Problem ist aber, dass dort der Bus 57A durchfährt. Und der kann - so die Begründung - mit einer 30er-Zone seinen Fahrplan nicht einhalten. Wir überlegen jetzt, den Antrag so zu stellen, dass der Bus von der 30er-Zone ausgenommen wird. Das wurde von der Stadtpolitik für manche Straßen bereits gemacht. Ich hoffe, dass uns das gelingt.“

Andreas Leszkovsky Neos Bezirksamt
Im Juni weht vor dem Bezirksamt die Regenbogenfahne (Bild: Wabl)

Wir beenden unseren Spaziergang vor dem Bezirksamt. Der Regen hat nachgelassen. Am Eingang hängt neben der Wien-Fahne eine Regenbogen-Fahne. Der Juni ist in Wien Pride-Month. Leszkovsky zeigt auf die Fahne. „Die ist auf unsere Initiative hin gehisst worden. Das war einer der ersten Neos-Anträge im Bezirksparlament. Mittlerweile braucht es keinen Antrag mehr“, sagt der 57-Jährige und fügt an: „Manche politischen Entscheidungen im Bezirk sind dann doch lange sichtbar.“

Andreas Leszkovsky Neos AWP
Andreas Leszkovsky ist Bezirksrat und Klubomann der Neos in Rurdolfsheim-Fünfhaus (Bild: Wabl)

Zur Person

Andreas Leszkovsky (57) ist Kultur- und Sozialarbeiter von Beruf und Klubobmann der Neos in Rudolfsheim-Fünfhaus. Am häufigsten ist er in seinem Grätzl rund um den Sparkassa-Platz unterwegs. 

Stephan Wabl

Arbeitet als freier Journalist, Autor, Podcaster und Herausgeber von "1150"  in Rudolfsheim-Fünfhaus. Mit seinen Büchern, Podcasts und Medienprojekten war er Gast bei der "Buch Wien", der Langen Nacht des Journalismus und beim Podcastfestival Passau. Für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet.