Ein Taubenschlag für Rudolfsheim-Fünfhaus!
Newsletter #12 vom 2. Juli 2026. Rubrik: Was beschäftigt den Bezirk? Kommentar zum Thema Taubenschlag.
Von Anja Stegmaier
Wasserwelt, Europaplatz, Stadthalle: Zahlreiche Tauben sind auf Plätzen im 15. Bezirk zuhause. Viele Wiener:innen belastet die große Zahl der „Mitbewohner:innen.“ Laut den jüngsten Erhebungen des Wildtierservice Wien leben bis zu 60.000 Stadttauben in Wien. Viele der Tiere sammeln sich an bestimmten Orten.
Das offensichtlichste Problem ist der Taubenkot. Er verschmutzt Fassaden, Denkmäler, Balkone und Plätze. Was viele nicht wissen: Taubenkot ist nicht nur unangenehm anzusehen, sondern greift auch Baumaterialien an. Vor allem historische Gebäude leiden darunter, weil die enthaltenen Säuren langfristig Schäden an Stein, Metall und anderen Oberflächen verursachen. Die Reinigungs- und Instandhaltungskosten zahlen Hausbesitzer:innen, Unternehmen und die Stadt Wien.
Wer Tauben füttert, schadet ihnen
Hygienische Aspekte spielen ebenfalls eine Rolle. Wo sich viele Tauben auf engem Raum sammeln, können sich Krankheiten und Parasiten leichter verbreiten. Füttern, so die Stadt Wien hin, begünstigt große Ansammlungen und dadurch verschlechtert sich auch der Gesundheitszustand der Tauben. Die Folge: überfüllte Brutplätze, Konkurrenz um Nahrung und eine höhere Verbreitung von Krankheitserregern. Durch das künstlich hohe Nahrungsangebot wird die natürliche Regulierung der Population außer Kraft gesetzt und die Tiere vermehren sich stärker, als der Lebensraum eigentlich zulassen würde.
Auch bei der Planung von Gebäuden kann man etwas tun. So sollten Fassadenvorsprünge, wie Simse, Nischen und Hohlräume minimiert werden, damit Tauben dort nicht nisten und rasten. Schräge und glatte Flächen lassen die Tiere außerdem abrutschen.
Die beste Lösung: Betreute Taubenschläge!
Aktuell setzen Hausbesitzer:innen und die Stadt vor allem auf Vergrämung. Spikes, Spanndrahtsysteme oder Netze werden angebracht und müssen immer wieder teuer erneuert werden. Ihre Wirkung ist jedoch begrenzt.
Besser wären betreute Taubenschläge.
Die Tauben erhalten dort artgerechtes Futter und sichere Nistplätze. Gleichzeitig werden die gelegten Eier gegen Attrappen ausgetauscht. Dadurch sinkt die Population, ohne den Tieren zu schaden. Ein weiterer Vorteil: Der Kot bleibt großteils im Taubenschlag an und kann entfernt werden.
Zahlreiche Städte im deutschsprachigen Raum waren mit diesem Konzept erfolgreich. Wien zieht langsam nach. Seit 2022 betreibt das Wildtierservice des Forst- und Landwirtschaftsbetriebs der Stadt Wien den ersten Taubenschlag beim Hauptbahnhof. In der Leopoldstadt und in Meidling gibt es Taubenschlag Nummer zwei und drei. Laut Wildtierservice benutzen mehr als 500 Tauben regelmäßig den Taubenschlag beim Hauptbahnhof. Bislang konnten dort 1500 Eier gegen Attrappen ausgetauscht werden.
Wann kommt ein Taubenschlag im 15. Bezirk?
In Ottakring ist der vierte Taubenschlag der Stadt in Vorbereitung. Wann kommt ein Taubenschlag in Rudolfsheim-Fünfhaus? Wie wäre es zum Beispiel mit einem Taubenschlag am IKEA-Dach? Der Bezirk reduziert seinen Taubenbestand und das Möbelhaus hätte eine schöne Nachhaltigkeits-Story. Schulklassen und Kindergärten könnten vorbeikommen und etwas über Tauben, Tierschutz und eine saubere Stadt lernen.
Anja Stegmaier
Langjährige Redakteurin für die Wiener Zeitung, für die sie den Podcast "#weitergehts" umgesetzt hat. Als Journalistin und Sprecherin hat sie zahlreiche Porträts und Reportagen verfasst sowie Medien-Formate entwickelt. Für ihre Ö1-Radiokolleg-Serie "Frauen und Skateboarding" war sie gemeinsam mit Matthias Hofer und Stephan Wabl für den "Sports Media Award" im Bereich Audio nominiert. Sie wohnt in Rudolfsheim-Fünfhaus.