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Felix Ofner (ÖVP): „Das Drogenproblem bei der Gumpendorferstraße nimmt zu"

Porträt von Felix Ofner
Felix Ofner ist ÖVP-Bezirksobmann in Rudolfsheim-Fünfhaus (Bild: Wabl)

Newsletter #2 vom 20. Mai 2026   Rubrik: Was macht die Bezirkspolitik? Serie: Politischer Spaziergang durch Rudolfsheim-Fünfhaus mit Vertreter:innen aller Bezirksparteien.   Gast #2: Felix Ofner (ÖVP)

Von Stephan Wabl

Schutzzone bei der U6-Station Gumpendorferstraße, Leerstand auf der Sechshauserstraße und ein Ringelspiel für Kinder bei der Wasserwelt. Diese drei Orte hat sich Felix Ofner, ÖVP-Bezirksrat und Bezirksparteiobmann, für seinen politischen Spaziergang durch den 15. Bezirk ausgesucht. Was erzählen sie uns über Rudolfsheim-Fünfhaus und die Politik im Bezirk?

Die U6-Station Gumpendorferstraße ist ein Ort, der nicht zum Verweilen gedacht ist. Auf der einen Seite schlängelt sich die Gumpendorferstraße durch den 6. Bezirk hinein in die Innenstadt. Auf der anderen Seite führt die Sechshauserstraße durch den 15.Bezirk in Richtung Schloß Schönbrunn. Im Norden geht es zum Westbahnhof, im Süden raus aus der Stadt auf die Süd- und Westautobahn. Alle Wege führen so rasch wie möglich weg von hier.

Unruhe auf der Gumpendorfer Straße

Trotzdem verweilen seit einiger Zeit immer mehr Menschen in und rund um die Stadtion. Der Grund? Das Tageszentrum „Jedermayr“ der Suchthilfe Wien. Die sozialmedizinische Beratungsstelle gegenüber der U-Bahnstation hilft und berät Menschen mit Suchtproblemen. Die U6-Station wurde dabei immer mehr zum Aufenthaltsort von Suchtkranken. Laut „Falter“ sind es rund 60 Menschen, die sich zeitgleich in der Station aufhalten. Diese Entwicklung zog in jüngster Zeit immer mehr Drogendealer an. Die Lage habe sich laut „Falter“ drastisch zugespitzt. „Gumpendorferstraße: Wird das Drogenproblem schlimmer?“, fragte die Stadtzeitung im Herbst 2025.

Hier treffe ich Felix Ofner für unseren politischen Spaziergang durch den Bezirk.

U-Bahn-Station Gumpenddorferstraße in Wien
Die U-Bahn-Station Gumpendorferstraße zwischen 15. und 6. Bezirk ist in den vergangenen Jahren zum Ort für Drogenverkauf geworden

Schutzzone und Sozialarbeiter

Ofner: „Für uns als ÖVP war das Drogenproblem rund um die U-Bahn-Station ein großes Thema in den vergangen Jahren. Und es hat zugenommen. Es gab viele Beschwerden von Anrainer:innen. Für viele Kinder ist die Gegend hier auch Schulweg. Vor kurzem hat der Schulsprecher der AHS Flora Fries in einem offenen Brief an den Bürgermeister die inakzeptable Situation für Schüler:innen aufgezeigt. Wir haben für diesen Ort eine Schutzzone, mehr Sozialarbeiter und eine Alkoholverbotszone wie beim Westbahnhof gefordert. Die ersten beiden Punkte wurden nun umgesetzt. Das Suchtzentrum ist eine wichtige Einrichtung. Aber da hier 82 Prozent der Spritzentauschkontakte in ganz Wien abgewickelt werden, ist es naheliegend, dass nicht nur viele Suchkranke hierher kommen, sondern auch viele Drogendealer.“

Seit Anfang Mai 2026 gilt um die U-Bahn-Station eine Schutzzone. Die Polizei kann nun rund um die Uhr Menschen aus der Zone wegweisen, wenn anzunehmen ist, dass sie strafbare Handlungen begehen werden, also zum Beispiel mit Drogen dealen.

Bezirkspolitik ohne Entscheidungskraft

Ofner: „Die Stadtregierung aus SPÖ und Neos hat diesem Schritt endlich zugestimmt. Wir wären gerne noch weitergegangen und hätten zusätzlich zur Schutzzone auch eine Videoüberwachung, Notrufsäulen und ein Alkoholverbot gehabt. Beim Bahnhof in Wiener Neustadt zum Beispiel hat das sehr gut funktioniert. Die Bezirkspolitik hat zwar keine Entscheidungskraft bei diesem Thema, aber wir können Resolutionsanträge einbringen,  für  Dinge, die den Bezirk betreffen. Das ist für uns zumindest ein politisches Druckmittel. Darüberhinaus können wir über Medienarbeit Aufmerksamkeit für diese Themen schaffen. So können wir uns als Bezirkspartei einbringen und haben es aus meiner Sicht geschafft, dass alle anderen Parteien das Problem ernst nehmen.“

Leerstand auf der Sechshauserstraße
Leerstand auf der Sechshauserstraße (Bild: Wabl)

Was tun gegen den Leerstand?

Wir machen uns auf und überqueren die Straße auf die Sechshauserstraße und hinein in den 15.Bezirk. Während die Äußere Mariahilferstraße zuletzt durch den IKEA-Neubau und der Umgestaltung mit separatem Radweg eine Aufwertung erfahren hat, ist davon auf der Sechshauserstraße nichts zu spüren. Ofner selbst ist aus Mödling zum Studium nach Wien und Rudolfsheim-Fünfhaus gezogen. 2020 ist er erstmals in die Bezirksvertretung gewählt worden, 2023 wurde er ÖVP-Bezirksparteiobmann. Für ihn ist 1150 ein Bezirk, der vor allem für junge Familien immer attraktiver wird. Gleichzeitig habe sich laut Ofner die Sicherheitslage in den letzten Jahren verschlechtert - und der Leerstand zugenommen. Wie hier auf der Sechshauserstraße. Wir bleiben an der Ecke Sechshauserstraße/Turnerstraße vor einem mit Graffiti besprühtem Haus stehen.

Ofner: „Hier war einmal ein Nachtlokal. Seitdem es leer steht, gibt es hier massiv Graffitis. Und ich möchte gar nicht wissen, wie es drinnen ausschaut. Sobald Leute den Leerstand mitbekommen, kommt es auch immer wieder zu Einbrüchen. Ein paar Häuser weiter vorne ist noch ein leer stehendes Geschäftslokal. Und wenn wir auf der Sechshauserstraße weitergehen, schaut es regelmäßig so aus. Das ist leider auf den meisten Einkaufsstraßen im Bezirk so wie zum Beispiel auf der Hütteldorferstraße oder Märzstraße. Selbst auf der Äußeren Mariahilferstraße gibt es viel Leerstand.“

Leerstand auf der Mariahilferstraße
Die Äußere Mariahilferstraße wurde zwar modernisiert, Leerstand findet sich aber auch hier (Bild: Wabl)

Auf der Äußeren Mariahilferstraße hat sich zwischen Westbahnhof und Schwendermarkt in den letzten Jahren zwar einiges getan. Neben den neuen Cafés und Restaurants stehen aber immer wieder Geschäftslokale leer. Teilweise schon seit Jahren.

Frust mit dem Magistrat

Ofner: „Unser Ziel ist es, neue Unternehmer:innen und Gastronom:innen im Bezirk zu unterstützen. Es gibt von von der Wirtschaftsagentur Wien eine Förderung für die Neubelebung von Geschäftslokalen. Diese gilt aber speziell für Projekte im 16. und 20. Bezirk. Dort hat sich die Situation verbessert. Diese Förderung hätten wir gerne auch für den 15.Bezirk. Es müssen auch nicht immer nur hippe neue Cafés aufsperren. Ich bin froh, wenn sich klassische Blumengeschäfte oder Handwerksbetriebe ansiedeln. 

In der Gastronomie gibt es leider immer wieder das Problem, dass Schanigärten verkleinert werden müssen oder Zusagen - wie bei der Äußeren Mariahilferstraße - nicht eingehalten werden. Bei diesen Themen hat der Bezirk leider auch keinen direkten Einfluß. Das fällt in die Zuständigkeit der Magistratsabteilungen der Stadt Wien. Da wird es häufig kompliziert und man hört zuerst, was alles nicht geht. Das finde ich oft frustrierender als den limitierten Gestaltungsspielraum im Bezirksparlament.“

Ein Ringelspiel als Erfolg

Was jedoch auf Bezirksebene geht, sind Spielplätze aufwerten. Dafür fahren wir für unsere dritte Station unseres Spaziergangs zur U3-Station Meiselmarkt, steigen bei der „Wasserwelt“ aus und gehen Richtung Leopold-Mistinger-Platz. Kürzlich wurde hier ein Denkmal für den einstigen Fußballplatz von SK Rapid  Wien eröffnet. Die Hütteldorfer wurden Ende des 19.Jahrhunderts in Rudolfsheim-Fünfhaus gegründet. Hier, zwischen Kirche Rudolfsheim und Eissalon am Ende des Platzes,  wuselt es im Grätzl. Vor allem Kinder tummeln sich auf dem langgezogenen Platz, auf dem sich auch ein kleiner Spielplatz befindet. 

Das Karussell bei der Wasserwelt
Das Kinder-Karussell bei der Wasserwelt (Bild: Wabl)

Ofner: „Für diesen Spielplatz haben wir schon seit längerer Zeit ein Ringelspiel gefordert. Und zwar ein Ringelspiel, das auch mit Rollstuhl benutz werden kann. Das gibt es jetzt. Aber selbst solche vermeintlich kleinen Dinge sind of komplizierter als gedacht.  Sagen wir, ein Bürger hätte gerne ein Reck hier stehen. Jetzt kann ich zum OBI fahren und dort ein Reck für 500 Euro für meinen Garten kaufen. Das Problem: Das Reck entspricht null dem, was wir im öffentlichen Raum an Sicherheitsanforderungen haben. Denn ein Reck am Spielplatz muss so sicher sein, dass sich auch drei erwachsene Männer draufhängen können, ohne dass es zusammenbricht. Da geht es um die Haftung. Und um ein Reck oder Ringelspiel aufzustellen, das allen Anforderungen entspricht, braucht es oft Zeit und Geld.“

Vermeintlich kleine Dinge sind für die Bewohner.innen im Bezirk aber häufig wichtig für ihren Alltag und das Leben im Grätzl. Aber günstig sind sie zumeist nicht - und der Prozess von der Idee bis zur Umsetzung mühsam.

Bitte Geduld!

Ofner: „Toiletten im öffentlichen Raum sind extrem wichtig für das Leben im Bezirk. Die mobilen Klos werden aber leider häufig abgefackelt, und fixe WC-Anlagen kosten rund 400.000 Euro. Wir haben uns zum Beispiel auch eingesetzt für eine Beleuchtung der Hundezone, dort wo die Äußere Mariahilferstraße auf den Auer-Welsbach-Park trifft. Diese Beleuchtung würde allerdings shr viel Geld kosten. Mir ist klar, dass die Menschen von uns erwarten, dass wir uns um diese Dinge kümmern. Aber ich muss die Bürger:innen oft auch um Geduld bitten. Aber das Ringelspiel, das haben wir erreicht.“

So dreht sich manchmal auch die Bezirkspolitik im Kreis. Zwischen Macht und Ohnmacht, zwischen Ideen und bürokratischer Hürden, zwischen Leerstand und Aufbruch. 

Porträt von Felix Ofner
Felix Ofner ist ÖVP-Bezirksobmann in Rudolfsheim-Fünfhaus (Bild: Wabl)

Zur Person

Felix Ofner (31) ist ÖVP-Bezirksobmann und Bezirksrat in Rudolfsheim-Fünfhaus. Er leitet das Büro von Harald Zierfuß, ÖVP-Klubobmann im Wiener Landtag.

Stephan Wabl

Arbeitet als freier Journalist, Autor, Podcaster und Herausgeber von "1150"  in Rudolfsheim-Fünfhaus. Mit seinen Büchern, Podcasts und Medienprojekten war er Gast bei der "Buch Wien", der Langen Nacht des Journalismus und beim Podcastfestival Passau. Für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet.