Manfred Dvořák (FPÖ): „Viel halal und wenig Schwein am Meiselmarkt"
Newsletter #3 vom 25. Mai 2026. Rubrik: Was macht die Bezirkspolitik? Serie: Politischer Spaziergang durch Rudolfsheim-Fünfhaus mit Vertreter:innen aller Bezirksparteien. Gast #3: Manfred Dvořák (FPÖ)
Von Anja Stegmaier
Manfred Dvořák hat sich für unseren politischen Spaziergang eine Route vom Meiselmarkt über die Schmelzbrücke zur Mariahilfer Straße ausgesucht. Der FPÖ-Politiker ist seit mehr als zehn Jahren Bezirksrat und Klubobmann in Rudolfsheim-Fünfhaus.
Der Meiselmarkt im 15. Wiener Gemeindebezirk ist besonders. Er ist nämlich komplett überdacht und damit der einzige dieser Art in Wien. Außerdem ist die Markthalle unterirdisch direkt an die U3-Station Johnstraße angebunden. In dem ehemaligen Wasserspeicher bieten mehr als 30 Marktstandler ihre Waren an. Freitags und samstags stehen außerdem Bäuer:innen mit ihren Waren im Freien.
Manfred Dvořák wartet an der Rolltreppe beim Fleischhauer auf mich.
Markt erschwinglich halten
„Der Meiselmarkt ist ein zentraler Platz, wo man im Bezirk zusammenkommt. Wir haben uns immer wieder für die Vielfalt des Marktes eingesetzt“, sagt der FPÖ-Politiker. Man bekomme sehr viel zu guten Preisen. „Bei den Fleischhauern ist aber sehr viel halal, da gibts kaum Schwein, außer bei einem Stand“, sagt der Bezirksrat. „Die Lokale im Markt sind außerdem Treffpunkt für viele aus dem Bezirk. Ich bin auch immer wieder hier, um mit den Leuten zu reden und zu hören, was die Bürger bewegt“, so Dvořák.
Bis zu 35.000 Menschen kaufen jede Woche hier ein. „Wir wollen den Markt erhalten und vor allem erschwinglich halten“, sagt Dvořák. Nicht nur für die Kund:innen. Denn teilweise seien den Marktstandlern immer wieder Prügel vor die Füße geworfen worden, so der Politiker. Er zeigt auf die Ausräumungen vor den Standln, wo die Betreiber:innen ihre Waren präsentieren. „Alles, was vor dem Stand steht, wird nach Quadratmeter berechnet, wofür dann Miete gezahlt werden muss. Es wurde allerdings auch Miete in der Nacht verlangt. Die Miete verdoppelte sich. Die Standler haben also nichts davon, wenn sie ihre Sachen über Nacht draußen stehen lassen.“
Während Corona habe das Marktamt auch teilweise versagt. „Kurz nach der der Corona-bedingten Sperre, waren die Notausgänge bei der Wiedereröffnung etwa versperrt.“ Das Marktamt der Stadt Wien hebt die Standgebühren ein. Der Meiselmarkt beziehungsweise das gesamte Gebäude ist jedoch im Eigentum der Wiener Städtischen Versicherung.
Gegen die Parkplatz-Vernichtung
Wir verlassen die Markthalle und machen uns auf den Weg zur Schmelzbrücke, die häufig auch Schweglerbrücke genannt wird. Draußen vor der Markthalle hält Dvořák inne und zeigt auf den Verkehr. „Etwas, das uns als FPÖ auch nicht gefällt, ist der Radweg auf der Hütteldorferstraße. Grundsätzlich sind Radwege okay. Es werden dafür aber viele Parkplätze vernichtet unter dem Deckmantel des Klimaschutzes. Die Autos werden dadurch immer wieder umgeleitet und erzeugen mehr statt weniger motorisierten Verkehr“, sagt Dvořák. Oftmals sei die Radwegführung auch unsinnig. Entweder müssten die Radfahrer komplizierte Umwege fahren, halten sich nicht daran und fahren verkehrswidrig weiter oder die Wege seien derart zerstückelt und enden oft irgendwo. „Das ist für die Radfahrer auch keine Lösung. In der Statistik heißt es dann aber, es wurden erfolgreich weitere Radwege geschaffen“, meint Dvořák.
Auf die Frage, wie er eigentlich in die Bezirkspolitik gekommen sei, antwortet Dvořák: „Durch Zufall habe ich den Bezirksrat von der FPÖ kennengelernt. Mit dem habe ich mich immer wieder unterhalten und in politischen Diskussionen waren wir uns oft einig. Bei einem FPÖ-Sommerfest habe ich dann die Leute kennengelernt und mir gedacht, die sind leiwand. In die Partei bin ich relativ spät eingetreten, das war 2010. Die FPÖ wähle ich aber seit 1986. Ich wurde dann schließlich gefragt, ob ich in die Bezirksparteileitung eintreten möchte. Seit 2015 bin ich nun Bezirksrat und seit 2024 Klubobmann und geschäftsführender Bezirksparteiobmann.“
Der Bezirk und Wien sind Dvořák ein Anliegen. „Ich bin sehr viel in Wien unterwegs gewesen, weil ich neben meinem Beruf als Ingenieur immer wieder Taxi gefahren bin. Seit vorigem Jahr bin ich außerdem Geschäftsführer des Mieterschutzrings, also die blaue Alternative zur SPÖ-nahen Mietervereinigung.“
Verkehrs-Hotspot Schmelzbrücke
Dem Politiker geht es aber auch um den Umbau der Schweglerbrücke. Dieser sei seit Jahren vorgesehen und soll nun endlich im Zuge der Umgestaltung des Westbahn-Areals saniert und umgestaltet werden.
Die Brücke verbindet Fünfhaus südlich mit Neu-Fünfhaus im Norden. Ihre zwei Gehsteige und zwei Fahrbahnen werden von Autos, Bussen und Radfahrer:innen gemeinsam stark genutzt. Wegen des hohen Verkehrsaufkommens, einer Steigung und breiten Fahrspuren kommt es für Radler:innen häufig zu gefährlichen Überholmanövern. „Wir haben uns dafür eingesetzt, den Auto- und Radverkehr zu trennen. Unser Vorschlag war ein Radweg auf der einen und ein Gehsteig auf der anderen Seite“, sagt Dvořák.
Das könnte aber weiterhin dauern: Die Ausschreibung für den Wettbewerb zur Umgestaltung läuft, „vor 2030 wird in Sachen Westbahn-Areal vermutlich nichts finalisiert werden“, meint Dvořák.
„Westbahnpark befürworten wir nicht“
Wir gehen die Schweglerstraße hinunter zur Schmelzbrücke. Von hier aus kann man das Westbahn-Areal gut überblicken. Die brachliegende Fläche zwischen Felberstraße und Westbahnhof ist knapp sieben Hektar groß und gehört den ÖBB. Die Initiative Westbahnpark fordert einen 1,2 Kilometer langen Park entlang der Gleise. „Das befürworten wir nicht“, sagt Dvořák. „Wir setzen uns schon seit Jahrzehnten ein, dass dieses Areal genutzt wird und die Trennung der beiden Bezirksteile durch die Westbahn aufgehoben wird.“ Die FPÖ sehe die Nutzung aber eher pragmatisch, so der Politiker. „Das Areal gehört den ÖBB, die wollen das kommerziell nutzen. Der Bahnhof soll weiter für Frachtverkehr genutzt werden, daher braucht die Bahn eine Zufahrt zum Betriebsgelände. Andererseits brauchen wir Wohnraum. Daher sollte das Areal gemischt nutzbar werden mit Parkfläche und Erhalt der Windschneise“, so Dvořák.
Mehr Parkplätze für die Mariahilfer Straße
Auf der Mariahilfer Straße angekommen, blicken wir auf den neu gestalteten Abschnitt mit Einbahn für Autos und Radweg in beide Richtungen. Begrünung mit Bäumen und Beeten und zusätzliche Sitzgelegenheiten wurden geschaffen. Seit 2025 ist der erste Abschnitt fertiggestellt, die Bauarbeiten für den zweiten Abschnitt der rund zwei Kilometer langen Straße sind in vollem Gange. Bis zum Sommer 2027 soll das Projekt abgeschlossen sein.
„Wir haben uns dafür eingesetzt, dass im oberen wie unteren Teil der Mahü bis zum Westbahnhof Anrainerparkplätze geschaffen werden - und es sind auch welche gekommen. Das muss ich schon uns auf die Fahne schreiben“, sagt Dvořák. Anrainerparkplätze seien nicht gerade das Thema der Landespartei, „da sind wir nicht konform. Aber nachdem es immer weniger Parkplätze gibt, muss man was für die Bewohner im 15. tun“, sagt der Politiker.
Die FPÖ ist eine entschiedene Gegnerin der Umgestaltung der Mariahilfer Straße und forderte bis zuletzt die sofortige Einstellung der Planungen. „Dieser Umbau ist sehr einschneidend für den Bezirk und teilt diesen eigentlich wieder. Für uns ist es fraglich, ob das alles mit validen Studien belegt ist und die Umgestaltung tatsächlich die gewünschten Einsparungen an Abgasen bringt“, sagt Dvořák. Es könne eben nicht jeder Radfahren, so der Politiker. „Gerade in unserem Bezirk gibt es sehr viele alte Leute und die sind aufs Taxi angewiesen. Taxis müssen aber nun teilweise lange Umwege machen.“ Als Erfolg sieht Dvorak diese geschaffenen Parkplätze und die Durchsetzung von Motorradabstellplätzen, etwa in der Stättermayergasse. „Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass nicht alles zu Lasten des motorisierten Individualverkehrs passiert“, fasst Dvořák zusammen.
„Das Suchthilfezentrum gehört an den Rand der Stadt“
Beim Thema Sicherheit hat die FPÖ das Alkoholverbot am Westbahnhof gefordert, dies sei aber nur „ein erster Schritt“, sagt Dvořák. Bezüglich des Tageszentrums „Jedmayer“ der Suchthilfe Wien, das im 6. Bezirk liegt und an den 15. Bezirk angrenzt, habe Dvořák bereits Anträge gestellt. „Unserer Meinung nach gehört das Suchthilfezentrum, das viele Drogendealer anzieht, an den Rand der Stadt. Das können wir angeblich nicht veranlassen, weil es ein Privatverein ist. Dieser gehört allerdings zu 100 Prozent der Stadt Wien“, sagt der Bezirksrat. Das Bezirksparlament sei sich in dieser Frage nicht einig. Neben der FPÖ habe sich nur die ÖVP dafür ausgesprochen.
Die wichtigste Errungenschaft des Bezirkparlaments sei für Dvořák jedenfalls das Straßenprostitutionsverbot. Das wurde zwar noch vor seiner Zeit als Politiker auf den Weg gebracht, habe aber eine große Veränderung für den Bezirk gebracht.
Der Fokus der FPÖ im 15. Bezirk liegt für Dvořák heuer auf der Schutzzone bei der Gumpendorfer Straße liegen. „Wir beobachten, wie das einschlägt und werden notfalls mehr fordern.“ Die Äußere Mariahilfer Straße werde die Partei ebenfalls weiter beschäftigen. „Wir waren die einzige Partei, die immer dagegen war - auch bei der Finanzierung. Das wird auch so bleiben“, sagt der Bezirksrat.
Zur Person
Manfred Dvořák ist in Favoriten aufgewachsen und wohnt seit 20 Jahren in Rudolfsheim. Der 64-Jährige betreibt Ingenieurbüro für Maschinenbau und ist hauptsächlich in der Beratung für Qualitätsmanagement-, Umweltmanagement- und Arbeitsicherheitsmanagement-Systeme tätig. Viele Jahre ist er ebenfalls Taxi gefahren. Seit 2015 ist Dvořák Bezirksrat für die FPÖ im 15. Wiener Gemeindebezirk, seit 2025 ist er Geschäftsführer des Mieterschutzrings. In seiner Freizeit fährt er gerne mit seinem Motorrad. Seine Lieblingsorte im 15. sind das Café Lorenz in der Märzstraße, die Reindorfgasse und der Meiselmarkt.
Anja Stegmaier
Langjährige Redakteurin für die Wiener Zeitung, für die sie den Podcast "#weitergehts" umgesetzt hat. Als Journalistin und Sprecherin hat sie zahlreiche Porträts und Reportagen verfasst sowie Medien-Formate entwickelt. Für ihre Ö1-Radiokolleg-Serie "Frauen und Skateboarding" war sie gemeinsam mit Matthias Hofer und Stephan Wabl für den "Sports Media Award" im Bereich Audio nominiert. Sie wohnt in Rudolfsheim-Fünfhaus.